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Gemeinde Kisslegg (Druckversion)

Initiative Riedisser

Wilhelm Riedisser: Wächter

Riedissers Skulptur "Der Wächter"

Das Leben und Werk des Kißlegger Bildhauers Wilhelm Riedisser (1870 – 1933) ist schwierig zu erschließen. Bis 1915 war der Künstler überwiegend in Rom und Florenz tätig. Zeitgenössische Veröffentlichungen sowie seine teils prominenten Auftraggeber lassen jedoch darauf schließen, dass Riedisser als überregional anerkannter Künstler seiner Zeit galt. Mit dem Bronzenachguss der Plastik „Wächter“ kehrt der Künstler in seine Heimat Kißlegg zurück.

Riedisser gehört nicht zu den revolutionären Modernisierern der Kunst


Die Bildsprache seiner Porträts und Aktfiguren orientiert sich an der sinnlichen Anmut und Ausgewogenheit klassischer antiker Plastik. Jedoch nicht im Sinne einer bloßen Nachahmung, sondern als Ringen des Künstlers um eine gewollt ernsthafte und zurückhaltende Darstellung. Darin folgte Riedisser der Kunsttheorie Adolf von Hildebrands, die möglichst schlichte, sparsame Ausdrucksmittel, frei von jeglicher Übertreibung, forderte.

Am 21. November 1870 wird Wilhelm Riedisser in Gebrazhofen geboren

1874 zog die Familie in die Gemeinde Kißlegg, in der Wilhelm seine Kindheit und Jugend verbrachte. Im Jahr 1889 begann er an der Münchner Kunstakademie sein Bildhauerstudium als Schüler von Professor Wilhelm von Rümann. Zwei Goldmedaillen als Auszeichnung der Akademie belegen seine künstlerische Begabung. Ein Reisestipendium ermöglichte ihm schließlich, die Kunst der Antike in Italien zu studieren.

Zu einem vielbeachteten Frühwerk Riedissers zählt das Kriegerdenkmal zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, das Gräfin Sophie von Waldburg-Syrgenstein 1894 nach Maria-Thann stiftete. Plastiken Riedissers finden sich heute u.a. in München, Leipzig, Frankfurt, Berlin, Potsdam und Graubünden. Kaiserin Elisabeth von Österreich und Kaiser Wilhelm II. erwarben seine Skulpturen. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die Weltwirtschaftskrise mögen die Gründe dafür sein, dass Wilhelm Riedisser 1933 unter ärmlichen Bedingungen (1933) in München starb.

Das Originalwerk findet sich im Vorgarten einer Villa am Berliner Wannsee

Eher zufällig wurde dem heutigen Eigentümer bewusst, welchen Schatz er dort in seinem Garten stehen hat. Der „Wächter“ war ursprünglich im Jahr 1913 Kaiser Wilhelm II. zum Kauf angeboten worden. Dieser entschied sich jedoch für eine weitere Plastik Riedissers, einen Hirtenknaben aus Marmor, der bis heute im Park von Sanssouci in Potsdam steht. Der Wächter gelangte so in Berliner Privatbesitz und in den besagten Villengarten am Wannsee.

Der aus Kißlegg gebürtige Dr. Hermann Scharpf, der Riedisser wiederentdeckt hat und seit Jahren über ihn forscht, erfuhr von der Skulptur und erhielt vom heutigen Eigentümer die Erlaubnis, eine Abformung von Figur und Sockel anzufertigen, um hieraus einen Bronzenachguss in Auftrag zu geben. Es wurde ein Initiativkreis gegründet, der es sich zum Ziel machte, mittels Spendenakquise die nötigen finanziellen Mittel für die Realisierung des Projekts einzuholen. Über drei Dutzend Spenden Kißlegger Firmen und Privatleute gingen daraufhin für das Projekt ein.

Seit dem 22. Mai 2016 schmückt die Skulptur des Wächters nun den Kißlegger Schlosspark und hält so die Erinnerung an den bedeutenden Kißlegger Künstler in den Köpfen der Gäste und Bürger wach. Die noch nicht abgeschlossenen Forschungen zu Wilhelm Riedisser werden zukünftig sicher noch weitere spannende Entdeckungen ans Licht bringen!

Wilhelm Riedisser | Wächter | Park des Neuen Schloss Kißlegg | Schlossstraße 8 | 88353 Kißlegg | Telefon 07563/936 – 142 | tourist(@)kisslegg.de | www.kisslegg.de


Die Mitglieder des Initiativkreises bedanken sich ganz herzlich bei allen Spendern für die großzügige Unterstützung. Dieser Dank gilt in besonderer Weise jenen, die mit Beträgen ab 1.000 Euro ganz wesentlich zur Verwirklichung des Projekts beigetragen haben. Großer Dank gilt auch der Firma Rinninger für den Guss des Sockels in Beton als Sachspende.

Laudatio Dr. Hermann Scharpf

http://www.kisslegg.de/index.php?id=298